Kärnten, wo der Süden Regie führt

Schuld ist der Süden. Er ist schuld, dass das Klima in Kärnten milder ist als nördlich des Tauernhauptkammes, dass die rauen Winde von Norden abgehalten werden und die Sonne länger verweilt als anderswo. Kärnten hat die meisten Sonnentage Österreichs. Es ist sogar das Tief vom Mittelmeer, das willkommen ist. Es sorgt im Winter für reichlich Schnee und im Sommer für den nötigen Regen, der Wiesen, Almen und Felder frisch und grün hält.

Schuld sind die würzigen Winde der Adria, die den Hauch des nahen Meeres, den Duft von Thymian und Wermuth aus dem Karst über die Karawanken frachten und solcherart den Gailtaler Käse, Speck, Schinken und Salami
vortreffl ich reifen lassen. Die warmen Lüfterln wärmen die Seen bis auf 27 Grad, lassen den Frühjahrsschnee schneller schmelzen und sorgen für wärmende Sonnenstrahlen bis weit in den Oktober.

Schuld ist der mediterrane Einfluss, dass die Menschen lebenslustiger, offener und zugänglicher sind als anderswo. Das zeigt sich einerseits in einer “Lei låsn”-Mentalität, andererseits in den vielen Festen, Feiern, Kirchtagen, Gesangsvereinen und in den farbenfrohen Trachten. Fremde werden alsbald zu Freunden.

Gastlich sind auch die Unterkünfte, vom noblen Fünf-Sterne-Hotel bis zum Urlaub auf einem der 300 qualitätsgeprüften Bauernhöfe und 200 Almhütten. Einladend sind die Wirtshäuser, Buschenschenken, die den Gast mit Kärntner
Kost verwöhnen. Eingebettet zwischen Alpen und Adria sind die Einflüsse aus dem Süden unüberhörbar. Die Sprache ist ein melodisches Singsang. Über 300 Chöre bringen das unerschöpfliche Liedgut zum Besten. Auch die Küche nimmt ausgiebig Anleihen an den Nachbarn. Die Nuss- und Mohnpotitzen, die gefüllten Strudel und Getreidegerichte, Salami, Most, Obstschnaps und Hauswürste - sie schmecken genauso gut wie in Slowenien. Kärntner Reindling hat seine Verwandte in der friulanischen Gibanica. Cjalsons oder Ravioli sind den Kärntner Nudeln ähnlich, fruchtige Weißweine gibt es hier wie dort. Es ist eine Region mit drei Ländern und drei Sprachen, drei Kulturen und doch eine
untrennbare Einheit.